Interview mit der Rheinpfalz- Jugendtreff Bad Bergzabern

Kreis Südliche Weinstraße Vor allem für mehr Leben in der Kurstadt vor der wahl: Jugendliche diskutieren mit Stadtbürgermeister.Kandidaten – Von Spielplätzen über Radwege bis zum W-Lan Von Jörg Petri


Mehr Radwege, mehr und besser gewartete Spielplätze, mehr Grünflächen – und vor allem: mehr Leben in der Kurstadt. Die Jugendlichen in Bad Bergzabern haben genaue Vorstellungen, wie ihre Stadt aussehen soll. Am Freitag stellten sich die drei Kandidaten für das Amt des Stadtbürgermeisters, Gerda Schäfer (SPD), Hermann Augsburger (FWG) und Martin Wichmann (CDU), im Jugendzentrum beim Forum „Jugend trifft Politik“ Fragen. „Wir haben einfach gedacht, wir versuchen das mal mit so einem offenen Gesprächsabend, schließlich betrifft Politik auch die Jugendlichen“, sagte Streetworkerin Anna Drieß, die den Abend moderierte. Das Interesse hielt sich Grenzen. Aber die, die gekommen waren, löcherten die Kandidaten. Auch Ursula Schulz, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stadtrat, war zur Diskussion eingeladen worden.Dass man in Zukunft häufiger miteinander reden müsse, darin waren sich alle einig. Martin Wichmann, (51), betonte, dass er zwar ganz gut wisse, wie die Jugend tickt, „denn bei uns zu Hause wird über alle möglichen Themen geredet, aber natürlich sind wir Politiker auf eure Ideen angewiesen“. Hermann Augsburger (53) sagte, er könne sich regelmäßige Treffen mit den Jugendlichen vorstellen: „Vielleicht einen Arbeitskreis oder eine kleine Runde gründen.“ Gerda Schäfer (59) sagte, dass sie dank ihrer zwei inzwischen erwachsenen Söhne und ihrer drei Enkelkinder, die nicht mehr in Bad Bergzabern leben, „immer den Blick für die Jugend gehabt“ habe. Sie hat in ihrem Wahlprogramm die Einrichtung einer Jugendsprechstunde stehen. Ursula Schulz (58) stammt aus Freiburg, lebt aber seit über 30 Jahren in Bad Bergzabern. Dank der eigenen beiden Kinder habe sie über Krabbelgruppe, Kindergarten oder Schule immer engen Kontakt zu jungen Menschen gehabt, kenne deren Sorgen und Nöte. Auch heute gehe sie regelmäßig auf Spielplätze, um mit jungen Müttern zu sprechen. Wir brauchen mehr Radwege, hieß es. Und es seien zu viele Autos in der Stadt unterwegs, die zu schnell fahren und keine Rücksicht auf Radfahrer nehmen würden. Ursula Schulz erwähnte das von ihr und ihrem SPD-Kollegen Hans-Peter Geiger erarbeitete Radwege-Konzept. Es sei auf den Weg gebracht. “Aber es dauert aufgrund der vielen Vorgaben alles seine Zeit, bis es umgesetzt werden kann“, sagte Martin Wichmann. Ein Problem, das alle Kandidaten immer wieder anführten. Bessere W-Lan-Verbindungen in der Innenstadt lautet ein Wunsch der Jugendlichen. Es gibt bereits ein paar Hotspots, mehr wären wünschenswert. „Vielleicht sind auch Privatleute bereit, sich zu beteiligen“, meinte Augspurger, man müsse Gespräche führen. „Die Rechtslage hat sich ja geändert“, so Augspurger. Gespräche mit Grundstücksbesitzern sind auch erforderlich, wenn man dem Wunsch der Jugendlichen nach mehr Grünflächen nachkommen will. „Wir können ja nur auf den Flächen etwas tun, die der Stadt gehören“, sagte Wichmann. Auch bei Geschwindigkeitskontrollen oder schöneren Klassenräumen in der Realschule sind die Einflussmöglichkeiten von Stadtoberhaupt und Stadtrat beschränkt. Kritisiert wurden der Zustand von einigen Spielgeräten und der Fallschutz aus Hackschnitzeln, etwa auf dem Spielplatz in der Karl-Popp-Straße. Außerdem gebe es zu wenige Spielplätze. „Mit der Offenlegung des Erlenbachs wird im Kurpark ein neuer Spielplatz angelegt“, sagte Wichmann, „gegen den die FWG war.“ Das stimme so nicht, entgegnete Augspurger: „Wir sind nicht gegen den Spielplatz, der ist notwendig, wir sind gegen den Standort.“ Er gehöre nicht den Kurpark. „Dort suchen Leute Ruhe und Erholung, Kinder wollen toben und lärmen, das passt nicht zusammen.“
Quelle Ausgabe Die Rheinpfalz Pfälzer Tageblatt – Nr. 116 Datum Montag, den 20. Mai 2019